Vor einigen Tagen habe ich einen Freund gebeten, sich ein wenig um einen anderen Freund zu kümmern. Die beiden kennen sich seit Jahren. Neu war nur, dass ich bei einem von ihnen das Gefühl hatte, dass ihm ein Gespräch guttun würde.
Die Antwort kam überraschend schnell.
Wer kümmert sich um die, die sich kümmern?
„Mir geht es gerade selbst nicht besonders gut. Tatsächlich kann ich ihn jetzt auch gut brauchen – ich melde mich gerne."
Seitdem denke ich immer wieder an diesen Satz. Nicht nur wegen der beiden Männer – sondern weil er mir kurz darauf an einem ganz anderen Ort wieder begegnet ist.
Ein Training, das plötzlich in eine andere Richtung ging
Ein paar Tage später saß ich mit einer Gruppe von Führungskräften zusammen. Menschen aus der Fertigung, erste Führungsebene – Menschen, die jeden Tag dafür sorgen, dass die Arbeit erledigt wird, Schichten besetzt sind und die Produktion läuft. Eigentlich waren wir dort, um über Gesprächsführung zu sprechen, über schwierige Mitarbeitergespräche und Konflikte.
Je länger wir miteinander gearbeitet haben, desto häufiger landeten wir jedoch bei einem anderen Thema. Bei Druck, Verantwortung und dem Gefühl, für vieles zuständig zu sein und gleichzeitig nur begrenzt Einfluss zu haben.
Einer der Teilnehmer blieb mir besonders in Erinnerung. Er schilderte eine Situation, die ihn sichtbar belastete – und während er sprach, hatte ich den Eindruck, dass er gar nicht mehr wusste, wohin mit all dem, was da gerade auf ihm lastete.
Wir haben aufgehört, über Gesprächsführung zu sprechen, und erst einmal durchgeatmet. Gelöst war danach nichts. Aber er wirkte wieder so, als könnte er den nächsten Schritt sehen.
Was dabei verloren geht
Während des Trainings musste ich immer wieder an die Führungskräfte denken, die an diesem Tag gar nicht im Raum saßen. Sie waren angemeldet gewesen, hatten am Morgen jedoch abgesagt, weil sie in der Produktion gebraucht wurden.
Ich verstehe diese Entscheidung. Die Arbeit muss erledigt werden. Gleichzeitig frage ich mich immer häufiger, was dabei verloren geht.
Was Unternehmen investieren
Prozesse, Kennzahlen, Effizienz, Abläufe. Viel Aufmerksamkeit für das, was messbar ist.
Was oft zu kurz kommt
Raum zum Lernen, Nachdenken, Entwickeln – und manchmal einfach auszusprechen, was gerade los ist.
Je länger ich darüber nachdenke, desto ähnlicher erscheinen mir die Situationen. Die beiden Freunde. Der Teilnehmer im Training. Die Führungskräfte, die an diesem Tag eigentlich im Raum hätten sitzen sollen. Auf den ersten Blick haben diese Geschichten wenig miteinander zu tun. Für mich erzählen sie inzwischen dieselbe Geschichte.
Warum Führungskräfte selten um Unterstützung bitten
Es sind Menschen, die gewohnt sind, Verantwortung zu übernehmen. Menschen, auf die sich andere verlassen, die Probleme lösen, Entscheidungen treffen und häufig die Ersten sind, die helfen, wenn Unterstützung gebraucht wird.
Gerade ihnen fällt es oft schwer, selbst um Hilfe zu bitten.
Was Führungskräfte wirklich brauchen
Je länger ich Führungskräfte begleite, desto weniger glaube ich, dass es ihnen an Methoden fehlt. Die meisten wissen längst mehr über Kommunikation, Mitarbeiterführung oder Konfliktlösung, als sie im Alltag tatsächlich nutzen können.
Was häufiger fehlt: Zeit, ein Gegenüber und die Gelegenheit, Gedanken einmal auszusprechen, bevor sie sich wochenlang im Kreis drehen. Jemand, der zuhört, nachfragt und hilft, wieder etwas klarer auf die eigene Situation zu schauen.
Die Menschen, die zu mir ins Coaching kommen, bringen ihre Erfahrungen, ihre Themen und oft auch viele mögliche Lösungen längst mit. Denken wird trotzdem leichter, wenn man es nicht allein tun muss.
Viele Führungskräfte tragen vieles mit sich herum.
Im Gespräch wird oft erst sichtbar, was längst da ist – und worauf sie eigentlich schon eine Antwort haben.
Wenn Du gerade viel Verantwortung trägst und das Gefühl hast, dass die Themen in Deinem Kopf ständig im Kreis laufen – dann lass uns sprechen. Ich höre zu.
