Was bist du dir wert?
Diese Frage ist mir neulich in einem Buch begegnet. Und sie passte erstaunlich genau zu einer Überlegung, mit der ich mich gerade beschäftigte: Ob ich noch weiter für einen bestimmten Kunden arbeiten möchte oder nicht.
Wenn von Werten die Rede ist, denken viele zunächst an den reinen Sachwert.
Was bekommst du bezahlt? Wie sind deine Arbeitsverhältnisse? Und wie steht das alles im Verhältnis zu Deinem Einsatz?
Das gehört dazu. Ohne Frage. Aber Werte sind mehr als das.
Werte sind Dein Kompass.
Werte zeigen sich darin, wie im Unternehmen mit Dir umgegangen wird. Nach welchen Werten dort tatsächlich gelebt und geführt wird.
Ob Pünktlichkeit zählt. Ob Freiheit möglich ist.
Ob Wertschätzung spürbar wird – und wie sie sich äußert.
All diese Punkte hängen mit persönlichen Werten zusammen. Und sie müssen, gerade im Arbeitskontext, zu den Werten der jeweiligen Organisation passen. In der Führung noch einmal mehr: Dort treffen die Werte der Führungskraft auf die Werte der Mitarbeitenden – und auf die Werte des Unternehmens.
Was bedeutet das konkret?
Ganz praktisch heißt das:
Der meiste Streit, die meisten Missverständnisse und viele Schwierigkeiten im Arbeitsalltag entstehen dort, wo Werte nicht zueinander passen.
Wenn Du in Führung bist und Dir bestimmte Werte wichtig sind, dann braucht es zwei Dinge: Du musst sie kommunizieren. Und Du musst prüfen, wie deine Mitarbeitenden dazu stehen – und wie das Ganze in den Unternehmenskontext passt.
Was oft stattdessen passiert, ist etwas anderes, und noch dazu merkwürdiges.
Menschen setzen voraus, dass andere ähnliche Werte haben wie sie selbst.
Und genau dann bewerten sie Leistung anhand ihrer eigenen Werte – nicht anhand der Werte der anderen. Ein Beispiel: Dir ist Pünktlichkeit wichtig. Kommt jemand dreimal fünf Minuten zu spät, wird das schnell negativ bewertet. Nicht zwingend wegen der Leistung. Sondern wegen des verletzten Wertes.
Diese Bewertungen laufen oft still im Hintergrund mit. Unausgesprochen aber wirksam. Einer anderen Führungskraft, die den Wert Pünktlichkeit nicht so hoch bewertet, wären diese fünf Minuten nicht einmal aufgefallen.
Ein weiteres Beispiel zum Thema „was ist es / was bin ich mir wert“, in einem ganz anderen Zusammenhang:
Eine Freundin von mir wollte im Fitnessstudio von einem Standort zu einem anderen wechseln. Die Gebühr dafür: 50 Euro. Das fand sie zu viel. Das war es ihr nicht wert.
Kurz darauf überraschte sie mich mit einer anderen Entscheidung. Für 20 Euro mehr im Monat ist sie nun in beiden Studios angemeldet. Für mich war das zunächst eine überraschende Wendung. Einmal waren 50 Euro zu viel, mehrfach 20 Euro aber in Ordnung.
Und doch zeigt genau das, wie unterschiedlich Menschen ihre Werte priorisieren. Wie sehr der Kontext eine Rolle spielt. Und wie individuell die Frage ist, was etwas „wert“ ist.
Auch im Arbeitsverhältnis.
Werte steuern Verhalten. Werte steuern Entscheidungen.
Und wenn persönliche Werte im Job dauerhaft missachtet werden, wirkt sich das aus. Auf Leistung, Motivation und auf das eigene Wohlbefinden.
Vielleicht lohnt es sich deshalb, Dir diese Fragen nicht nur theoretisch zu stellen, sondern im Führungsalltag immer wieder mitzunehmen:
Was bist Du Dir wert? Was ist es Dir wert? Welche Werte sind für Dich so wichtig, dass sie Dein Verhalten und Dein Wohlbefinden unmittelbar beeinflussen?
