Gute Führung heißt nicht: behandle andere so wie dich selbst

Der Leitsatz „Behandle andere so, wie du selbst behandelt werden willst“ ist weit verbreitet. Viele Führungskräfte orientieren sich daran – in der Annahme, besonders wertschätzend, fair und menschlich zu handeln. In der modernen Führung ist dieser Ansatz jedoch problematisch. Denn er übersieht einen entscheidenden Punkt: Menschen sind unterschiedlich.

Warum der „Goldene Regel“-Ansatz in der Führung scheitert

In der Führungspraxis zeigt sich immer wieder: Was für die eine Person motivierend, hilfreich oder respektvoll ist, kann für eine andere Person unpassend oder sogar belastend sein.

  • Manche Mitarbeitende wünschen sich klare Ansagen und schnelle Entscheidungen.
  • Andere brauchen Zeit, Einbindung und Dialog.
  • Einige kommen gut mit Druck zurecht, andere blockieren darunter.

Wer alle gleich behandelt, behandelt sie nicht gerecht. Der entscheidende Irrtum liegt darin, von den eigenen Bedürfnissen auf andere zu schließen. Gute Führung erfordert jedoch Perspektivwechsel statt Projektion.

Führung unter Stress: Warum alte Muster dominieren

Selbst erfahrene Führungskräfte wissen oft, dass Menschen unterschiedlich ticken – und handeln trotzdem anders. Warum?

  • Weil wir in Stresssituationen automatisch auf vertraute Verhaltensmuster zurückgreifen.
  • Weil Selbststeuerung Energie kostet.
  • Weil wir selten gelernt haben, unser Führungsverhalten bewusst zu reflektieren.

Gerade unter Druck reagieren Führungskräfte häufig so, wie sie selbst geführt werden möchten. Nicht aus Absicht, sondern aus Gewohnheit.

Individuell führen heißt: Verhalten anpassen

Moderne Führung bedeutet, das eigene Verhalten flexibel an das Gegenüber anzupassen. Das ist anspruchsvoll – aber lernbar. Zentrale Kompetenzen dabei sind:

  • Selbstwahrnehmung und Reflexionsfähigkeit
  • Verständnis für unterschiedliche Persönlichkeiten
  • Situatives Führungsverhalten
  • Klarheit in Kommunikation und Haltung

Individuelle Führung heißt nicht Beliebigkeit. Sie bedeutet, klar in der Sache und passend im Ton zu sein.

Kann man das lernen? Ja.

Das Durchbrechen eigener Führungsmuster ist kein Talent, sondern ein Entwicklungsprozess. Er beginnt mit Bewusstheit und wird durch Übung stabil. Hilfreich sind dabei:

  • Reflexion in weniger stressigen Situationen
  • Feedback von außen
  • Professionelle Begleitung, die Muster sichtbar macht

Mit der Zeit wird Führung nicht einfacher, aber wirksamer. Und sie kostet weniger Kraft, weil sie besser passt.

Fazit: Gute Führung orientiert sich am Menschen, nicht am eigenen Maßstab

Erfolgreiche Führungskräfte behandeln andere nicht so, wie sie selbst behandelt werden wollen – sondern so, wie ihr Gegenüber es braucht, um leistungsfähig, motiviert und gesund zu arbeiten. Das ist anspruchsvoll. Und genau darin liegt die Qualität moderner Führung.

Kathrin Eger - Business-Coach

Hallo, ich bin Kathrin Eger.

Gründerin von EaGER to Change Business Coaching. Ich begleite mit vielen schönen Erfahrungen Führungskräfte, Unternehmer*innen und deren Mitarbeitende als Coach.

Seit 2012 betreue ich jährlich bis zu 120 Klienten im Executive Coaching und habe zu jedem Moment das Ergebnis für meinen Coachee und dessen Personal, sowie die Ziele der Organisation im Blick und verstehe in diesem Sinne auch die Bedeutung und die Entwicklung aller Gespräche.

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