Ich habe mich neulich selbst ertappt. Mitten im Arbeitsalltag. Mitten in einer Gedankenschleife.
xy hat sich noch nicht gemeldet. Ein bisschen mehr Engagement hätte ich erwartet. Was das wohl bedeutet? Bestimmt nichts Gutes. Habe ich etwas falsch gemacht? Hätte ich lieber …
Noch bevor irgendetwas tatsächlich passiert ist, ist die Bewertung schon da. Schnell. Automatisch. Vertraut. Gerade Führungskräfte kennen das gut.
Warum Führungskräfte so leicht in Gedankenschleifen geraten
Führung bedeutet Verantwortung, Überblick, Entscheidung. Und genau das verführt dazu, schnell zu interpretieren.
Da ist der Mitarbeiter, der das Meeting wieder schlecht vorbereitet hat. Da ist die Diskussionskultur im Team, die mehr Energie zieht als freisetzt. Der Kalender ist voll, zu voll. Und mit Kolleg*in Müller geht es einfach nicht voran.
Als Führungskraft denkt man dann schnell: Ich weiß schon, wie das läuft. Ich kenne diese Menschen. Das Problem liegt dort. Was dabei oft unbemerkt passiert: Der Fokus wandert vollständig nach außen.
Wenn Führung im Außen stecken bleibt
Viele Führungskräfte richten ihre Aufmerksamkeit auf Dinge, die sie kaum oder gar nicht steuern können:
- Verhalten anderer
- festgefahrene Strukturen
- alte Dynamiken
- vermeintliche Widerstände
Das kostet Energie. Und es erzeugt das Gefühl von Ohnmacht – obwohl Führung eigentlich Gestaltungsspielraum bedeutet.
In meinen Coachings starten viele genau hier. Mit langen Beschreibungen dessen, was schwierig ist. Und mit der stillen Hoffnung, dass sich die anderen bitte endlich ändern mögen.
Führung beginnt mit dem eigenen Gestaltungsraum
Der Wendepunkt ist oft unspektakulär. Nicht die Frage: Warum sind die anderen so? Sondern: Worauf richte ich als Führungskraft gerade meine Aufmerksamkeit? Was davon liegt tatsächlich in meinem Einflussbereich?
Dieser Gestaltungsraum ist größer, als viele ihn nutzen. Nicht grenzenlos – aber real. Und er beginnt dort, wo Führungskräfte aufhören, sofort zu werten und aufhören zu glauben, sie wüssten bereits alles.
Fokus auf das Machbare: Führung wirksam gestalten
Machbar heißt nicht perfekt. Nicht alles. Aber etwas.
Zum Beispiel:
- eine Erwartung klar aussprechen, statt sie vorauszusetzen
- ein Gespräch bewusst führen, statt es innerlich vorwegzunehmen
- eine Entscheidung treffen, statt sie weiter mit sich herumzutragen
- einen Termin streichen, der keine Wirkung hat
Führung wird wirksam, wenn der Fokus sich verschiebt: vom Reagieren zum Gestalten.
Selbstführung als Kern moderner Führung
Gute Führung beginnt nicht beim Team. Sie beginnt bei der eigenen Aufmerksamkeit.
Wer als Führungskraft bereit ist,
- sich innerlich einen Schritt zurückzunehmen,
- Bewertungen zu überprüfen,
- und den eigenen Einfluss ernst zu nehmen,
gewinnt Handlungsspielraum zurück. Nicht laut. Nicht heroisch. Aber spürbar.
Ein kleiner, machbarer Schritt
Ich habe mich entschieden, diesen Text zu schreiben. Nicht, weil er alles löst. Sondern weil er in meinem Einflussbereich liegt. Manchmal reicht genau das, um wieder in Führung zu kommen.
