Führungskraft zu sein bedeutet oft: ständig zwischen verschiedenen Hüten zu wechseln. Mal bist du Coach, mal Stratege, mal Sprachrohr des Unternehmens – und manchmal einfach Mensch mit eigenen Bedürfnissen. Das 3-Welten-Modell aus der Transaktionsanalyse hilft dir, hier Klarheit reinzubringen.
Die drei Welten kurz erklärt
- Private Welt: Hier bist du Privatperson – Partnerin, Vater/Mutter, Freundin oder einfach du selbst mit all deinen Werten und Gefühlen.
- Beruflich-sachliche Welt: Hier geht’s um Aufgaben, Projekte, Ziele. Du entscheidest, steuerst, gibst Feedback – mit dem Fokus auf die Sache.
- Organisationale Welt: Hier vertrittst du das Unternehmen, seine Regeln, Strukturen und Vorgaben.
Klingt logisch? Ja. In der Theorie. Aber im Alltag geraten diese Welten schnell durcheinander – und genau dann wird’s schwierig. Ich erlebe in Coaching und Seminaren immer wieder, wie wenig Bewusstsein für das Thema existiert und wie sehr diese Unklarheit in dir selbst zu Unklarheiten und ggf. auch zu Unfairness gegenüber den Mitarbeitenden führen kann.
Wenn die Welten verschwimmen
Schau dir mal diese Situationen an:
👉 Beispiel 1: Das Kritikgespräch
Ein Mitarbeiter liefert wiederholt Ergebnisse zu spät.
- Private Welt: Wenn du aus der privaten Welt reagierst, weil du vielleicht mit der Person befreundet oder verwandt bist, machst du die Sache persönlich. Dein Ziel wird vermutlich sein, die private Beziehung nicht zu belasten. Du verwendest Weichmacher und ggf. sogar Entschuldigungen für deine Erwartungen. („Du weißt doch, dass wir hier alle pünktlich liefern müssen, es wäre schön, wenn du dich daran halten würdest“). Das wirkt unklar und kann unfair werden, wenn andere eine andere Ansprache bekommen.
- Beruflich-sachliche Welt: Sprichst du aus dieser Rolle („Die Deadline wurde dreimal überschritten. Ich möchte mit dir klären, was nötig ist, das künftig zuverlässig zu schaffen.“), ist deine Botschaft klar und nachvollziehbar.
👉 Beispiel 2: Die Entscheidung von oben
Das Unternehmen kürzt das Budget.
- Private Welt: Wenn du deine persönliche Meinung betonst („Ich will das so nicht, aber so ist es jetzt“), stellst du dich zwischen dein Team und die Organisation. Widerstand ist vorprogrammiert.
- Organisationale Welt: Klarer ist es, aus der organisationalen Welt zu sprechen: „Als Führungskraft vertrete ich hier die Entscheidung des Unternehmens. Unsere Aufgabe ist nun, mit dem Budget verantwortungsvoll umzugehen. Lasst uns schauen, wie wir das hinkriegen.“
👉 Beispiel 3: Das Team-Event / Private Freundschaften
Du gehst mit deinem Team abends essen.
Wenn du plötzlich komplett in der privaten Welt unterwegs bist, verschwimmen die Grenzen. Am nächsten Tag im Büro fällt es dir schwerer, deine Führungsrolle einzunehmen – gerade, wenn du über Leistung und Verhalten sprechen musst.
Das ist meiner Ansicht nach der schwierigste Punkt: Beziehungen aus Verein, Verwandtschaft oder Freundschaft von der beruflichen Verbindung zu trennen. Wie du aber siehst, braucht es das.
Was bringt dir die Klarheit?
- Dein Team weiß, nach welchen Spielregeln es mit dir arbeitet.
- Entscheidungen wirken nachvollziehbar statt willkürlich.
- Du sparst Energie, weil du dich nicht ständig rechtfertigen musst.
Kurz gesagt: Rollenklarheit macht dich berechenbar – im besten Sinne. Und genau das ist die Grundlage für Vertrauen und wirksame Führung.
Mein Tipp für deinen Alltag
Frag dich in kniffligen Situationen:
- Aus welcher Welt spreche ich gerade?
- Welche Rolle ist hier wirklich gefragt?
- Und: Ist das meinem Gegenüber klar?
Du wirst merken: Schon diese kurze Selbstreflexion verändert dein Führungsverhalten spürbar – und macht dich nicht nur fairer, sondern auch entspannter.
